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Geschichte

1841 bis 2016 – 175 Jahre Knaben- und Mädchenmusik Basel (aus GGG Einblick, Nr.18 2016, S. 4 bis 7) 

Die Knaben- und Mädchenmusik Basel 1841 (KMB) ist eine in Basel verwurzelte musikalische Bildungsinstitution. Von musikalischer Früherziehung über Instrumentalunterricht an Blasinstrumenten, Schlagzeug und Trommeln bis zur Ensemble- und Orchesterschulung für Jugendliche und interessierte Erwachsene, bietet die Musikschule eine breite Palette von Angeboten. 

Die aktuell rund 20 qualifizierten Lehrpersonen, die an der KMB unterrichten, verstehen nicht nur ihr musikalisches Handwerk, sondern können die Jugendlichen zu Höchstleistungen motivieren. Nicht zufällig findet man unsere Jungmusikanten und Tambouren bei Einzel-, Gruppen- und Ensemblewettbewerben bei den Gewinnern oder in den vorderen Rängen.

Auch die beiden Orchester „Allegro“ und „Piccolino“ machten in den vergangenen Monaten auf sich aufmerksam. Mit geschickt gewählten Programmen verstehen es Diana Bauchinger und Rüdiger König die jungen Leute für das Zusammenspiel durch Fordern und Fördern zu begeistern. Die veritable Grösse des Konzertcorps „Allegro“, das sich zu einem ansprechenden Klangkörper entwickelt hat, lässt hoffen, auf dem richtigen Weg zu sein.

Parallel zum Blasorchesterbetrieb sind Urs Gehrigs Leistungen auf Tambourenseite zu würdigen. Mit viel Erfahrung und grossem Engagement ist es ihm gelungen mit der Swiss Junior Drum Show eine wertvolle Plattform für ambitionierte Jungtambouren zu institutionalisieren. Soviel zu Gegenwart. Wie steht es mit den Anfängen der KMB?

Aus Anlass zum 150 jährigen Jubiläum der KMB fasste Paul Roninger im Basler Stadtbuch 1992 bereits geschickt einige Meilensteine der Institution zusammen und berichtet, dass die eigentliche Gründung der KMB auf die Initiative des Basler Jugendfestvereins zurückgeht, mit dem Zweck die „Zöglinge auf den Weg der Tugend zurückzuführen“ und „bei den Knaben Sinn und Begeisterung für die Blasmusik zu wecken, durch ausgewiesene Fachlehrer theoretischen und praktischen Unterricht in Notenlehre und Rhythmik zu erteilen, das Spielen der Blech- und Holzblasinstrumente zu instruieren und deren Beherrschung anzustreben“. Es ist dokumentiert, dass bereits im folgenden Jahr, im Sommer 1842, die Knabenmusik erstmals am Jugendfest aufspielte und dabei vom Jugendfestverein eine Fahne geschenkt erhielt. Die Knabenmusik hatte jedoch keinen langen Bestand. Nach kaum zehnjährigem Bestehen „ging sie ein“. 1864 erlebte sie eine Neugründung. Nach drei weiteren Jahren schritt die Knabenmusik ihrem abermaligen Ruin entgegen – Grund dazu bildeten die „Wirtschaftskonzerte“. Man sagte allgemein, bei der Knabenmusik lernen die Knaben nur saufen. Dank umsichtigen Leuten überlebte die Knabenmusik die Wirren zwischen Probelokal und Biergarten. Um die Jahrhundertwende entstandene Statuten, die u.a. besagten, „dass jegliches Zu-Gemüte-Führen alkoholischer Getränke zu verabscheuen und auch das Rauchen zu unterlassen sei“. Weiter musste, wer in die KMB eintreten wollte, „ein günstiges ärztliches Gutachten, musikalische Auffassungsgabe und gute Schulzeugnisse“ haben. Bei einer Busse von 2 Franken war es damals strikte untersagt, die Proben zu schwänzen. Fritz Siegin, der von 1886 bis 1936 als Musiker und Dirigent der KMB angehörte, wirkte als strenge Leitfigur und sorgte für den heute noch sehr geläufigen Knabenmusik-Übernahmen „Knute“, nach dem Motto „was man liebt, das züchtigt man“ (er hatte seine Zöglinge unter der „Knute“). 

1931, 90 Jahre alt, stand die KMB Pate zur Gründung des Schweizerischen Knabenmusikverbandes. Die Hundertjahrfeier beging man 1941 mit einer Festouvertüre und einem Rahmenspiel unter dem Titel „Vom Saulus zum Paulus“ die Bekehrung eines Gassenjungens zur Knabenmusik.

Pius E. Kissling, der von 1957 bis 1990 als musikalischer Leiter tätig war, verstand es in idealer Weise, Kunst und Pädagogik zu verbinden. Er führte die breite Öffnung des Repertoires ein und erweckte damit aussergewöhnliche Begeisterung bei den jugendlichen Musikern.

Der 125. Geburtstag stand 1966 im Zeichen der Kantonalmusiktage und einem grossen Treffen verschiedener geladener Musikcorps.

An der Generalversammlung 1990 wurde beschlossen, dass inskünftig auch Mädchen am Unterricht in der KMB teilnehmen und mitmusizieren durften.

Um Synergien zu nutzen, fusionierte die Musikschule des Musikverbands beider Basel per Anfang 2012 mit der Musikschule der damaligen Knabenmusik. Der Bedarf nach einem neuen Namen war in der Knabenmusik schon seit einigen Jahren ein Thema. Eine interne Arbeitsgruppe erhielt folglich den Auftrag, einen geschlechtsneutralen Namen zu finden. Anlässlich der Generalversammlung am 20. Juni 2012 wählten die anwesenden Mitglieder den neuen Namen "Knaben- und Mädchenmusik Basel 1841".

Im Mai 2016 feiert die KMB nun ihren 175. Geburtstag. Das Organisationskomitee unter der Leitung des ehemaligen Präsidenten Beat Ochsner und des Musikverbandes beider Basel laden vom 20. bis 22.5.16 rund 1300 Musikantinnen und Musikanten aus 50 Musikvereinen der Region zu den Musiktagen Basel ein. Neben Bewertungsspielen, Marschmusikparaden und Freikonzerten, gibt es Musikwettbewerbe für die Jugendmusiken und die Erwachsenenvereine.

Und danach? Die Verantwortlichen der Knaben- und Mädchenmusik sind zuversichtlich, dass mit einem solchen Anlass ein breites Publikum angesprochen wird und vielleicht auch das eine oder andere zuhörende Kind Lust bekommt, sich an einem Instrument ausbilden zu lassen.

Unser Mitwirken bei verschiedenen „Klassenmusizieren“ Projekten an Basler Schulen zeigt, dass es sich lohnt Jugendliche zum Erlernen eines Instrumentes zu führen. Musik fördert die soziale Kompetenz und die Intelligenz junger Menschen. Besonders das aktive Musizieren spielt dabei eine entscheidende Rolle. Ganz im Sinn der Initianten des Verfassungsartikels „Jugend und Musik“, gilt es Kinder und Jugendliche zur musikalischen Aktivität zu führen und damit ihre Entwicklung und Entfaltung unter pädagogischen, sozialen und kulturellen Gesichtspunkten ganzheitlich zu fördern. Wir helfen gerne mit.

Ruedi Küng

Quellen: Basler Stadtbuch 1992, Paul Roniger, S. 188 – 192; Die Basler Knabenmusik 1841 – 1905 und 1841 – 1911, Fritz Siegin; http://juniordrumshow.ch/de/formationen/edition-2011/knabenmusik-basel/(14.3.2016); http://www.hmb.ch/en/collection/object/die-knabenmusik-basel-am-kleinbasler-rheinufer.html (14.3.2016)